Haltestellen Vernissage der Ausstellung in der Galerie im Neuen Rathaus Wetzlar am 26. März 2009
Einführung von "Picho" Jürgen Pichotta, Fotograf
Ich begrüsse Sie herzlich zur Ausstellung der Gruppe Pixelprojekt5. Vor ein paar Wochen bekam ich eine mail. Hätten Sie interesse, die Einführung zu unserer aktuellen Ausstellung zu reden? Also pixelprojekt5 war mir gänzlich unbekannt. Ich sah mich im Internet um, sah mir die Fotos an und lud die Gruppe zu einem Gespräch ein. Nach kurzer Zeit war ich dann überzeugt von ihren Qualitäten und willigte ein. Warum nur, wollen Sie jetzt wissen? Zum einen, weil ich gerne Kontakt zu innovativen Menschen liebe, zum anderen, weil hier interessante und gute Bilder zu sehen sind. So, nun kommen wir zum Kernpunkt dieser Einführung. Wissen Sie eigentlich, was gute Bilder sind? Ich werde dies immer wieder gefragt. Zum Thema passend, habe ich mal 2 Zitate bekannter Persönlichkeiten der Photographie hinzugezogen. Nach dieser Auflistung werde ich meine Meinung über ein gutes Bild offenlegen. Und Sie werden bestimmt erstaunt sein, wie einfach es ist, ein gutes Foto zu erkennen. Als erstes möchte ich Andreas Müller, Chefredakteur der European Photographie, zitieren: "Die Frage nach einem guten Bild klingt obsolet genug, um im Sinne der Antike beantwortet zu werden: Ein Bild ist gut, wenn es schön und wahr ist. Allerdings haben wir uns seit der Renaissance angewöhnt, Ethik, Aesthetik und Wissenschaft getrennt zu sehen, zu betrachten. Die Folge ist, das ein Bild gut sein kann, auch wenn es hässlich oder unwahr oder beides ist." Na ja ! Allan Porter, Fotokritiker, Luzern: "Einem guten Bild gelingt es, ein ganzes Stück von der Zeit festzuhalten und nicht nur den Moment. Ein gutes Bild spielt an auf die Zeit, die ihm voran ging wie auf den Zeitraum danach. Die Umarmung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist das höchste, das ein Fotograf für den Betrachter schaffen kann. Nur so kann dieser das Bild und die Kunst des Fotografen erkennen." Interessant. Ich hingegen denke, das ein gutes Foto eine Erfahrung intensiviert , es destilliert Bildinformationen auf ihre Essenz. Durch die Auswahl und die Wahrnehmung des Fotografen erschafft er eine Welt in der Welt, mit eigener Logik. Manchmal muss der Betrachter sich ruhig in ein Foto hineinbegeben, manchmal packt ihn das Bild und reisst ihn hinein. Gut wird ein Foto, wenn eine spezifische Logik zwischen jedem seiner Teile besteht. Wenn diese Verbindungen halten, dann ist ein Geheimnis erschaffen, eine Frage gestellt, eine poetische Wahrheit erkannt.
Aber all diese Worte sind vergeblich, weil sie etwas Undefinierbares definieren sollen –
ob ein Foto funktioniert und gut ist, entscheidet sich im Herzen des Betrachters. Entscheiden Sie nun selbst, welches ein gutes und welches ein weniger gutes Foto ist.
Vielen Dank
© picho, März 2009 |